Ehrenchorleiter Willy Trageser

Auf 50 Jahre – von unzähligen Erfolgen gekrönte – gemeinsame Zusammenarbeit konnten Musikdirektor Willy Trageser und der Gesangverein Teutonia Bernbach im Januar 2006 zurückblicken.
Bis zum Jahre 1955 hatte der Verein vorwiegend sein Augenmerk auf die Pflege des deutschen Volksliedes gelegt, und seine öffentlichen Auftritte beschränkten sich vorwiegend auf Mitwirkungen von Liederabenden, Wertungssingen und in der Ausrichtung von Konzerten. Die dabei erzielten Erfolge waren eher als bescheiden zu bezeichnen.

Neben den musikalischen Auftritten wurde vor allem die Geselligkeit innerhalb des Vereines großgeschrieben. Tanzveranstaltungen, Familienabende und im besonderen die Aufführungen von Operetten- und Theaterstücken in der Weihnachtszeit prägten das Vereinsleben.
Beim den Proben zu einem Singspiel an Weihnachten 1955 wurde man auf einen jungen 20-jährigen Studenten aufmerksam, dem die Einstudierung der Gesangseinlagen anvertraut war. Gefesselt und begeistert von dem Geschick und Können, mit welcher Leichtigkeit und Einfühlungsvermögen er die Lieder einstudierte, trat der damalige Vorstand mit der Bitte an ihn heran, die musikalische Führung des Gesangverein Teutonia zu übernehmen.

Nach einigen Tagen der Bedenkzeit stimmte er schließlich dem Anliegen des Vorstandes zu und die Laufbahn von Willy Trageser als Chorleiter und der erfolgreiche Weg mit der Teutonia nahmen ihren Anfang.

Außerhalb des Vereines zu Anfang noch etwas belächelt, wurden die Kritiker und Zweifler doch schon innerhalb kürzester Zeit eines Besseren belehrt. Mit dem jungen dynamischen Dirigenten ging ein Ruck durch den gesamten Verein. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte sich die Zahl der Aktiven und bereits im Jahre 1959 stand die Teutonia und Willy Trageser mit 80 Sängern auf der Wettstreitbühne und konnte Chorleitergrößen von damals namens Schulz, Schlaud oder Häusler in die Schranken weisen.

Dass dies der Beginn einer ungebrochenen – von wenigen „Misserfolgen“ abgesehen – Erfolgsserie werden würde konnte damals niemand ahnen. Auf Einladung des Bundesmusikausschusses vertraten Willy Trageser und die Teutonia die Interessen des Hessischen Sängerbundes bei der „Neuen Chormusik Ludwigsburg1963. Überwältigende Kritiken fanden die Ausführungen des Chores bei den anwesenden Musikexperten und der Presse.

Diesen anfänglichen Erfolgen wurden im Laufe der Jahre noch unzählige (über 40 I. Klassenpreise, Dirigentenpreise etc.) aufgesetzt und es wäre müßig diese alle aufzuzählen. Aus jüngerer Zeit ist der Erfolg bei der I. Chorolympiade in Linz im Jahre 2000 zu erwähnen, bei dem der Verein mit einem Golddiplom und einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde.

Im Laufe seiner nunmehr über 50jährigen Chorleitertätigkeit hat Willy Trageser noch weitere 14 Chöre aus der näheren und weiteren Umgebung erfolgreich geleitet. Besondere Erfolge erzielte er mit dem von ihm gegründeten „vocal ensemble trageser“, mit dem er 25 Jahre auf nationaler und internationaler Ebene sich gegen überwiegend „Profichöre“ durchsetzen konnte. Mit dem in 2000 gegründeten, aus überwiegend Freigerichter Sängern bestehenden Chor „Delicaton“ erzielte er beim 2. Johannes-Brahms-Festival in Wernigerode ein Golddiplom und den Sonderpreis des Hessischen Sängerbundes für besonders gelungene zeitgenössische Literatur und jeweils eine Silbermedaille bei der 2. und 3. Chorolympiade in Busan/Korea bzw. Bremen.

Heute steht Herr Trageser noch den Kirchenchören Cäcilia Bernbach und Cäcilia Altenmittlau sowie der Eintracht Langenselbold als musikalischer Leiter vor.

Sein umfangreiches Wissen und Können, dass er sich in seiner Jugend im Studium des Faches Musik mit dem Schwerpunkt Chor- und Orchesterleitung am Dr. Hoch’schen Konservatorium und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt/Main sowie am Staatlichen Hochschulinstitut in Mainz, in den Fächern: Chor- und Orchesterleitung, Partiturspiel, Tonsatz, Instrumentation, Musikgeschichte und Musikalische Formenlehre erworben hat, hat er nicht nur in seinen Chören erfolgreich umgesetzt. Er hat dieses auch am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt an die in Ausbildung befindlichen Chorleiter/innen vermittelt, als er von 1981-1992 dort die Dozentur in Dirigieren und Partiturspiel inne hatte.

43 Jahre im Musikausschuss des Sängerkreises Gelnhausen tätig, legte er u. a. sein Hauptaugenmerk auf die Ausbildung und Schulung von Vizechorleitern und Vizechorleiterinnen.

28 Jahre von 1977-2005 in den Musikausschuss des Hessischen Sängerbundes berufen, weitere 43 Jahre im Fachverband Deutscher Berufschorleiter und seit 1992 im Internationalen Chorverband tätig, ergänzen seine umfangreiche musikalische Vita.

Neben diesen chorleiterischen Tätigkeiten nahm er sich noch Zeit, sich über 40 Jahre als Organist seiner Pfarrgemeinde St. Bartholomäus in Bernbach zu betätigen und stand dem Pfarrgemeinderat während dieses Zeitraumes noch 12 Jahre als Vorsitzender vor.

Die Ernennung zum Musikdirektor FDB im Jahre 1974, Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreis in 1985 und der Bürgermedaille der Gemeinde Freigericht in 1995, die höchste zu vergebendende Auszeichnung der Gemeinde und die Verleihung verschiedener Ehrenmitgliedschaften in Institutionen und Vereinen waren nur logische Folge seinen Schaffens und Wirkens.

Ganz nebenbei wäre noch zu erwähnen, dass Herr Trageser auch einen „anständigen“ Beruf ausgeübt hat. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität betätigte er sich als Gymnasiallehrer an der Leonhard-Heid-Schule (Bischöfliches Progymnasium) und ab 1972 am Gymnasialen Zweig der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn. Das in seiner Lehramtstätigkeit sein musikalischer Genius ebenfalls zum Tragen kam war nicht zu vermeiden und er gründetet in dieser Zeit verschiedene Schulchöre, die auch noch heute – nach seiner Pensionierung – sich überaus erfolgreich präsentieren und auf einem hohen Niveau dem Chorgesang verbunden sind.

Aufgrund seiner integeren und fachlichen Kompetenz ist Musikdirektor Willy Trageser sein Jahrzehnten ein gefragter Juror bei nationalen und internationalen Chorwettbewerben.

Seine musikalischen Fähigkeiten hat er auch seinen vier Kindern in die Wiege gelegt, von denen bereits zwei in die Fußstapfen ihres Vaters getreten sind und mittlerweile erfolgreich selbst Chöre leiten.